Kyphose

Als eine Kyphose (griechisch κύφωσις, wörtlich „Buckelung“, von κύφος kýphos, „Buckel“; im Volksmund bei Frauen abschätzig Witwen- oder Hexen-Buckel genannt) wird in der Fachsprache beim Menschen eine nach hinten (dorsal) konvexe Krümmung der Wirbelsäule bezeichnet. Natürlicherweise kommt Kyphose im Brustbereich (Brustkyphose) vor und am Ende der Wirbelsäule noch als eine kleine Kyphose, die sogenannte Sakralkyphose. Erst bei einer krankhaften Verstärkung der Kyphose, in diesem Fall jene der Brustwirbelsäule, spricht man von einem Rundrücken, einer Hyperkyphose, einem Buckel oder lateinisch einem Gibbus.
Der Cobb-Winkel (nach John Robert Cobb) dient als Maß für die Beurteilung der Kyphose. Häufig wird dafür auch der eindeutiger definierte und somit besser reproduzierte Stagnara-Winkel verwendet zwischen Grundplatte TH12 und Deckplatte TH4.[1] Der Normbereich beträgt 30-50°.

 

Um von einer Kyphose zu sprechen, sollte die Krümmung im Stand in der Brustwirbelsäule vorhanden sein. Die kyphotische Ausprägung der Brustwirbelsäule hängt von persönlichen anatomischen Eigenheiten ab, ist aber – zumindest in der Bevölkerung industrialisierter Staaten – allgemein zu stark entwickelt.
Der Mensch hatte − evolutionsbiologisch betrachtet − wenig Zeit (ca. 5 Mio. Jahre), seinen Bewegungsapparat an den aufrechten Gang anzupassen. Wale beispielsweise hatten ca. 50 Mio. Jahre Zeit, ihr Skelett an das Leben im Wasser anzupassen, indem unter anderem kompakte Knochen durch Spongiosaknochen ersetzt wurden. Bedingt durch fehlendes unbeschwertes Gehen, falsches Sitzen und Stehen sind die Muskeln des Bewegungsapparates nicht in der Lage, die aufrechte natürliche Körperhaltung zu halten. Daher kommt es in der Regel zu einem Zusammensinken der Wirbelschwingungen (Lordose - Kyphose). Dies führt zu einer Verbiegung des Rückens, sichtbar als eine krumme Körperhaltung. Wenn nicht durch alternative Aktivitäten diese schädliche Körperhaltung kompensiert wird, manifestiert sich die krumme Körperhaltung und führt langfristig zu erheblichen Schäden.

Bei älteren Menschen kann eine Osteoporose zu Sinterungsbrüchen von Wirbelkörpern führen, so dass sich Keilwirbel und dadurch insgesamt eine Hyperkyphose bilden. Kyphose, auch genannt Buckel oder Rundrücken, ist eine häufig auftretende Erkrankung einer Krümmung des oberen Rückens. Es kann entweder das Ergebnis von degenerativen Erkrankungen (wie z. B. Arthritis, Morbus Bechterew), Entwicklungsstörungen (das häufigste Beispiel dafür ist Morbus Scheuermann), Osteoporose mit Kompressionsfrakturen der Wirbelkörper und/oder von Verletzungen (posttraumatische Kyphose) sein.

Im Sinne einer Missbildung ist es die pathologische Krümmung der Wirbelsäule, wobei es auch dazu kommen kann, dass Teile der Wirbelsäule ihr lordotisches Profil verlieren, und es entsteht ein Flachrücken oder gar eine Kyphose der Lendenwirbelsäule.

 

Es gibt verschiedene Arten der Kyphose (nach ICD-10 Codes):

Posturale Kyphose (M40.0), die häufigste Form, in der Regel zu krumme Haltung, kann sowohl im Alter[2] als auch in der Jugend auftreten. In der Jugend kann es krumme Haltung genannt werden und ist reversibel durch Korrektur muskulärer Dysbalancen. Im Alter kann sie Hyperkyphose oder Witwenbuckel genannt werden. Über ein Drittel der schwersten Fälle von Hyperkyphose haben Wirbelfrakturen.[3] Ansonsten neigt der alternde Körper zu einem Verlust von Muskel-Skelett-Integrität[4] und kann allein aufgrund der Alterung eine Kyphose entwickeln.
Scheuermann-Kyphose (M42.0) ist kosmetisch deutlich schlechter, kann Ursache von Schmerzen unterschiedlicher Stärke sein und kann auch Auswirkungen auf verschiedene Bereiche der Wirbelsäule haben (wobei der gängigste der mittlere thorakale Bereich ist). Morbus Scheuermann gilt als Form von juveniler Osteochondrose der Wirbelsäule. Sie wird vor allem bei Jugendlichen gefunden und präsentiert eine signifikant schlechtere Missbildung als die posturale Kyphose. Ein Patient, der an Scheuermann-Kyphose leidet, kann nicht bewusst eine korrekte Haltung einnehmen[6][7] Der Scheitelpunkt der Kurve, in der Brustwirbelsäule gelegen, ist ziemlich starr. Patienten können an diesem Scheitelpunkt Schmerzen fühlen, die durch körperliche Aktivität und durch langes Stehen oder Sitzen verschlimmert werden können. Dies kann deutlich negative Auswirkungen auf ihr Leben haben, weil das Aktivitätsniveau dadurch abnimmt; betroffene Kinder können sich unter Gleichaltrigen isoliert oder unwohl fühlen, je nach dem Grad der Fehlstellung. Während bei Haltungsschäden Wirbelkörper und Bandscheiben normal erscheinen, sind sie bei Scheuermann-Kyphose unregelmäßig, oft vorgefallen und keilförmig geformt über mindestens drei benachbarte Ebenen. Ermüdung ist ein sehr häufiges Symptom, wahrscheinlich wegen der intensiven Muskelarbeit, die erforderlich ist, um richtig zu stehen und zu sitzen. Der Veranlagung dafür scheint in den Familien zu liegen. Die meisten Patienten, die operiert werden, um ihre Kyphose zu korrigieren, leiden an Morbus Scheuermann.
Angeborene Kyphose (Q76.4) kann bei Säuglingen Ergebnis einer Fehlentwicklung der Wirbelsäule im Mutterleib sein. Wirbel können missgebildet oder miteinander verschmolzen sein, was dazu führen kann, dass sich bei dem Kind eine progressive Kyphose entwickelt.[8] In einem sehr frühen Stadium kann chirurgische Behandlung notwendig sein und trägt zur Aufrechterhaltung einer normalen Kurve in Abstimmung mit konsequenter Weiterverfolgung zur Überwachung von Veränderungen bei. Allerdings kann die Entscheidung über die Durchführung des Eingriffs aufgrund der potenziellen Risiken für das Kind sich als sehr schwierig erweisen. Eine angeborene Kyphose kann auch plötzlich im Teenager-Alter auftreten, häufiger bei Kindern mit Zerebralparese und anderen neurologischen Erkrankungen.
Nutritionale Kyphose kann aus Mangelernährung resultieren, vor allem während der Kindheit, wie Vitamin-D-Mangel (Erzeugung von Rachitis), der zur Erweichung der Knochen und im Ergebnis zur Biegung der Wirbelsäule und der Gliedmaßen unter dem Körpergewicht des Kindes führt.
Gibbusbildende Deformität ist eine Form von struktureller Kyphose, oft eine Folgekrankheit von Tuberkulose.
Posttraumatische Kyphose (M84.0) nach unbehandelten oder nicht wirksam behandelten Wirbelfrakturen.

 

Orthesen zeigten Nutzen in einer randomisierten Kontrollstudie.